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Weshalb ich am liebsten alleine auf Reisen gehe

Es ist bald wieder soweit, mein nächster Urlaub steht bevor. Ja, und ich verreise doch tatsächlich wieder alleine. Wenn ich das meinen Freunden und Bekannten erzähle, bekomme ich sehr schnell zu hören: "Was, du gehst alleine auf Reisen? Das kann doch nur langweilig werden." Wenn ich ihnen aber erzähle, weshalb ich das mache, wird es recht schnell ruhig und der letzte Zweifel verschwindet. Alleine durch die Welt zu reisen ist sicherlich nicht für jeden das Richtige, aber ich bin mir sicher: die allermeisten die es einmal gemacht haben, werden es für immer lieben. Wie meinen Freunden, versuche ich auch euch zu erklären, weshalb ich am liebsten alleine auf Reisen gehe, weshalb ein Solo-Urlaub viele Vorteile hat.

Zeit für mich selbst

Reisen auf eigene Faust wirkt sich positiv auf mich und meinen Charakter aus, denn ich werde Dinge erleben, die mir weder zu Hause noch auf Reisen mit Freunden widerfahren kann. Ich werde auf Menschen treffen, die mich bereichern und meine Weltsicht verändern und auf Situationen treffen, an denen ich nur wachsen kann. Dass ich auf einer Reise ohne Begleitung viel mehr Zeit nur mit mir selbst verbringe, wird mich dazu veranlassen, mehr nachzudenken. Ich werde neue Eindrücke verarbeiten und vielleicht zu der ein oder anderen Erkenntnis gelangen, die eine Veränderung für mein Leben bedeuten kann. Ich werde mich selbst reflektieren: Wer bin ich? Und was ist mir eigentlich wichtig im Leben? Meine erste Reise im Alleingang war am Anfang kein Zuckerschlecken. Aber darum geht es doch, oder? An neuen Aufgaben, die mir gestellt werden und mir vielleicht auch Angst machen, nicht zu verzweifeln, sondern sie zu meistern und stärker daraus hervorzugehen. Das ist eine der besten Erkenntnisse, die ich haben werde.

Interessante Menschen treffen

Es ist leichter, aber auch notwendiger, mich mit fremden Menschen auseinanderzusetzen. Ich werde mich bei solchen Alleinreisen zwangsläufig mit Einheimischen und Reisenden aus anderen Ländern unterhalten. Da natürlich nicht jeder, den ich während meines Trips treffe, meine Sprache spricht, werde ich mir ganz nebenbei bessere Sprachkenntnisse aneignen und so bestimmt auch den ein oder anderen lustigen Moment erleben. Mit Händen und Füßen verständigen klappt auf jeden Fall immer - also auf in das Wörterchaos - Lachanfall ist garantiert! Hinzu kommt: Überall treffe ich auf Gleichgesinnte im Reisefieber, deren Geschichten mich noch Jahre später zum Lachen bringen werden. Und vielleicht ist ja auch der ein oder andere Seelenverwandter dabei.

Einfach nur Genießen

Anders als bei Reisen mit Freunden verquatsche ich mich seltener und verpasse so womöglich die schönsten Ecken der Region, in der ich gerade bin. Stattdessen wandere ich alleine durch die Straßen, präge mir jedes Merkmal genau ein und sauge die Mentalität der Menschen und die Schönheit der Natur in mir auf. Diese neue Fähigkeit werde ich mit nach Hause nehmen, denn mir wird klar, dass die Welt mehr zu bieten hat, als nur berühmte Sehenswürdigkeiten und Fotos dieser auf Instagram oder Facebook. Indem ich genau hinschaue, erkenne ich die Schönheit der Welt im kleinsten Detail. Dabei lerne ich, auch zuhause wieder mit offeneren Augen durch die Stadt zu gehen.

Urlaub ohne Kompromisse!

Für mich einer der wichtigsten Gründe, weshalb ich gerne alleine verreise: Es gibt niemanden, der mir in meiner Entscheidungen reinredet. Ich muss keine Kompromisse eingehen. Ich habe Lust auf Pizza, mein Gegenüber aber auf Asiatisch? Gibt’s nicht – nur ich selbst zähle. Ich möchte nicht nur einen Tempel besichtigen? Gut, sehe ich mir alle an. Ich möchte kitschige Souvenirs kaufen? Wunderbar – niemand wartet genervt vor dem siebzehnten Shop, den ich immer noch toll finde. Ich könnte noch so viele Beispiele aufzählen. Wisst ihr was ich meine: Meine Interessen stehen an erster Stelle. Ich schnupper den Duft der Freiheit und genieße meine Reise viel stressfreier als mit einem Begleiter im Schlepptau. Ich lerne so Dinge für mich zu entscheiden und bin gezwungen, selbst zu handeln. Und wieder werde ich als entscheidungsfreudigerer Mensch nach Hause zurückkehren.

Ich schnappe mir mein Notizblock und führe so eine Art Tagebuch, schreibe vom ersten Moment an alles auf. So kann ich meine Gedanken sammeln und ordnen und dadurch besser begreifen, was auf meiner Reise mit mir und um mir herum eigentlich alles passiert. Ich schieße Fotos von schönen Orten, interessanten Menschen und tollen Momenten, die ich nach dem Trip in mein Reisetagebuch klebe. Ich möchte meine Erlebnisse mit meinen Blogbesuchern teilen. 

Wenn es mal unangenehm wird ...

Auch mir überkommt bei dem Gedanken, völlig verlassen am anderen Ende der Welt zu stehen, ein komisches Gefühl. Besonders wenn ich in Länder wie Zimbabwe oder Zambia reise. Das ist völlig natürlich. Alleine Reisen kann auch ab und an ungemütlich sein, so ehrlich muss ich sein. Es gibt allerdings einige Aspekte, die das Reisen auf eigene Faust vielleicht ein bisschen schwer erscheinen lassen, aus denen ich aber auch Positives ziehen kann: Es werden immer mal wieder Situationen auf mich zukommen, in denen ich unsicher werde: War das wirklich die richtige Kreuzung? Verfolgt mich diese Person gerade? Sollte ich mit meinem entzündeten Mückenstich vielleicht doch zum Arzt gehen? Soll ich tatsächlich in dieses Gebiet fahren? In diesen Situationen ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Ich versuche das Ganze dann immer aus einem neutralen Blickwinkel zu betrachten. So lerne ich langfristig mit ungewohnten oder angst einflößenden Situationen umzugehen und kann die ein oder andere Lehre daraus ziehen. 

Alleine zu reisen kann natürlich auch gefährlich sein. Doch da höre ich immer auf meinen gesunden Menschenverstand und informiere mich ausreichend über das Land, in dem ich bin. Ich überschätze mein Glück nicht und gebe auf mich Acht, dann wird mein Trip ein positives Erlebnis. Außerdem muss ich auf meiner Reise nicht lange alleine bleiben. Wenn ich Leute finde, mit denen ich mich gut verstehe und die dieselben Dinge besichtigen möchten, dann schließe ich mich ihnen an, falls ich mal Gesellschaft brauche, was eher unwahrscheinlich ist.

Ich bin mein eigener Finanzminister

Bei einer Reise, die ich alleine antrete, können dann auch höhere Kosten auf mich zukommen. Ich habe schließlich niemanden, mit dem ich die Hotelrechnung oder die Ausgaben fürs Essen und die Ausflüge teilen kann. Als Einzelperson in einem Doppelzimmer bedeutet meist doppelt so hohe Reisekosten. Eine gute Urlaubsplanung ist daher wichtig. Vielleicht werde ich ja zu einem richtigen Planungstalent. Oft werden in Reisejournalen für Alleinreisende Hostel-Mehrbettzimmer empfohlen. Es heißt in deren Beschreibung: "Hostelzimmer sind nicht nur günstig, dort lernt ihr direkt viele andere Reisende kennen."

Doch genau das möchte ich nicht. Ich möchte das Land und die Menschen die dort leben - ihre Küche und deren Bräuche alleine kennen lernen. Ich möchte aber auch mal in Ruhe bei einem Sonnenuntergang ein Buch lesen können. Ich möchte bei einem Sonnenaufgang meditieren können. Ich möchte mir die Menschen aussuchen können, mit denen ich ein Gespräch führen will.

Alleine reisen ist Luxus

Alleine zu reisen bedeutet Veränderung. Nämlich die Veränderung meiner Einstellung zu meiner Person, zur Welt und dem Leben. Es bedeutetet, ein unbekanntes Land zu bereisen, neue Leute zu treffen, fremde Sprachen zu lernen und meinen eigenen Horizont um Meilen zu erweitern. Sobald ich die ersten Kilometer alleine zurückgelegt habe, werden die positiven Erfahrungen den Bedenken überwiegen. Ich werde mit geschulten Augen und Ohren durch die Weltgeschichte wandern, während sich mein Tagebuch mit tollen Geschichten über Land und Leute füllt. Ein Skype Telefonat wird mich mit vertrauten Stimmen über Heimweh hinweghelfen und all die vielen Sonnenuntergänge, die ich alleine oder mit neu gefundenen Freunden genieße, werden mich begeistern. Es gibt eigentlich keine logischen Gründe, die mich davon abhalten sollten, alleine zu verreisen. Lass auch du dich zumindest nur einmal auf das Abenteuer ein. Wenn du dich nicht allzu dumm anstellst, wirst du es nicht bereuen, das kann ich dir versprechen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Erwin (Dienstag, 15 Oktober 2019 14:20)

    Wie immer, wunderschön geschrieben. Mein Wunsch war es immer schon, einmal alleine den Urlaub zu genießen, obwohl ich glücklich verheiratet bin. Nach deinem Blogbeitrag sehe ich mich in meinem Vorhaben bestätigt: ICH MUSS EINMAL ALLEINE WEG! Wenn ich deine Beiträge so lese, sehe ich mich oft darin selbst. Auch dein Artikel: Mit Freunden auf Urlaub oder der Artikel mit den Erwachsenenhotels - einfach nur TOP! Mach weiter so. Liebe Grüße aus Gamlitz

  • #2

    Lydia (Dienstag, 15 Oktober 2019 14:24)

    Ich habe mich nie getraut, alleine in den Urlaub zu fliegen. Nicht aus Angst, sondern weil die Befürchtung aufkam, es könnte langweilig werden. Doch jetzt nach diesem Artikel habe ich richtig Lust danach bekommen.