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Mit Freunden auf Reisen - kann gut gehen oder auch nicht

Wenn ich neue Menschen kennen lerne, diese mir so wichtig sind, dass ich mit denen gerne eine echte dicke Freundschaft aufbauen möchte, dann gehe ich mit diesen Personen zuvor auf Reisen. Zuvor schließe ich keine Freundschaften mehr. Die Ziele sind mir vollkommen egal. Sei es für ein paar Tage nach Hamburg, oder gar für eine Woche nach Gran Canaria, auch das wunderschöne Vorarlberg ist hierfür bestens geeignet. Weshalb?

Die Worte von Mark Twain

Das hat einen guten Grund: Ich denke bei Freunde gewinnen immer an ein Zitat von einem großen Schriftsteller. Samuel Langhorne Clemens heißt er, für viele besser bekannt unter seinem Pseudonym Mark Twain. Mark Twain sagte einmal: "Es gibt kein sichereres Mittel festzustellen ob man einen Menschen mag und vertrauen kann, als mit ihm auf Reisen zu gehen." So sehe ich es inzwischen auch. Man lernt auf Reisen, bei den gemeinsamen Unternehmungen und beim 24 Stunden aufeinander kleben die Menschen besser kennen als in der eigenen Stadt, in den eigenen vier Wänden oder in einer vertrauten Umgebung. Ich stelle auf solchen Reisen fest, ob man diesem Menschen Vertrauen kann, ob er Schweigsam sein kann, er Abmachungen einhalten kann, er Anvertrautes für sich behalten kann und ob überhaupt der gewisse Funken überspringt. Man stellt fest wie er ist, wie er denkt, wie er lebt, wie er tickt, wie er mit Stress umgehen kann, ... 

Reisen bieten hierfür tatsächlich die besten Gelegenheiten. Meist entpuppt sich das Gegenüber schon während des Urlaubs nicht als Freund geeignet. Diese Erfahrung durfte ich in den letzten Jahren immer wieder sammeln.

Was macht eine Freundschaft aus?

Wenn mich jemand fragen würde, was für mich wahre Freundschaft ausmacht, dann würde ich wohl antworten:

  • Ich weiß, dass man sich alles erzählen, über alles reden kann. Ob ich es tatsächlich mache, ist dabei gar nicht so wichtig.
  • Ich habe die Gewissheit, dass vertraute Informationen nicht weitergetragen werden.
  • Die bereits erwähnte innige Vertrautheit, die auch dann gegeben ist, wenn man längere Zeit keinen Kontakt zueinander hatte.
  • Ein wahrer Freund bzw. eine wahre Freundin erzählt niemals Schlechtes über mich.
  • Wahre Freunde können auch miteinander streiten, aber ohne sich gegenseitig zu beleidigen, provozieren oder zu beschimpfen.
  • Das Verzeihen-können gehört ebenso dazu.
  • Kritik und offene Worte werden toleriert und sind sogar erwünscht.
  • Man kann sich gegenseitig so geben, wie man ist, braucht sich nicht verstellen oder einander etwas vormachen.
  • Jeder weiß vom anderen, wie er denkt bzw. wie er fühlt.
  • Man genießt das Miteinander, aber man muss nicht ständig zusammen sein oder stets gemeinsame Unternehmungen planen.
  • Wahre Freunde sind auch und vor allem in Zeiten da, wenn es mal nicht so gut läuft.
  • Sie bauen einander auf, motivieren, unterstützen und bieten Halt.
  • Sie hören nicht auf Andere, angebliche Lebensberater, ... sondern nur auf ihr Herz. 

Aus Enttäuschungen kann man lernen

Das sind meine persönlichen Merkmale einer wahren Freundschaft. Wenn das Gegenüber aber schon während des Urlaubs, an einem unbemerkten Moment, ans Telefon greift und Vertrautes, Anvertrautes und Geheimnisse ausplaudert, ist die Enttäuschung groß. Dank Mark Twain und seiner Weisheit bin ich immer wieder wachgerüttelt geworden. So entlarvten sich auf Reisen die Alkoholiker und die in einer eigenen Welt-Lebenden, Choleriker und Sprücheklopfer, Egoisten und Hysteriker, Kleinkarierte und Komplizierte, Langweiler und Intolerante, ... Wurde ich vom Menschen enttäuscht, habe ich diese gemeinsame Zeit trotzdem genossen. Schließlich habe ich ja etwas daraus gelernt. Selbstverständlich müssen danach auch meine Abmachungen, meine Versprechen und meine Pläne ... rückgängig gemacht werden.  

Mark Twain ist vor allem als Autor der Bücher über die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn bekannt. Er war ein Vertreter des Literatur-Genres „amerikanischer Realismus“ und ist besonders wegen seiner humoristischen, von Lokalkolorit und genauen Beobachtungen sozialen Verhaltens geprägten Erzählungen sowie aufgrund seiner scharfzüngigen Kritik an der amerikanischen Gesellschaft berühmt. In seinen Werken beschreibt er den alltäglichen Rassismus; seine Protagonisten durchschauen die Heuchelei und Verlogenheit der herrschenden Verhältnisse. Er verstarb am 21. April 1910 im Alter von 75 Jahren.

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