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Ein Sommertag im Wiener Augarten

Wenn die Blätter der Kastanienbäume vom satten Grün sich zum zart-leuchtenden Goldbraun verwandeln, die ersten Kastanien - eingehüllt in ihrem stacheligen Mantel - von den Bäumen fallen, dann stellt man langsam und vielleicht auch ein klein wenig wehmütig fest, der Herbst ist nicht mehr allzu weit entfernt. So ist es mir beim Spaziergang durch den weitläufigen Park im Wiener Augarten ergangen. In der saftigen Wiese liegen die Männer mit ihren nackten Oberkörpern und lassen sich noch von der heißen Sommersonne bräunen, die Kinder springen - mit einem zierlichen Strohhütchen bedeckt - dem Ball hinterher, auf dem Bankerl sitzen betagte Nachbarn des Parks und lesen in ihrer Zeitung oder ihrem mitgebrachtem Buch, die Dame links von mir strickt an einem warmen Pulli, der wohl bald unter dem Weihnachtsbaum des Enkelkindes liegen wird. Etwas weiter entfernt entdecke ich auf der ausgebreiteten Decke in der Wiese eine große Familie, dies mit einem Picknickkorb, gefüllt mit Früchten, Prosecco und jede Menge belegte Brote. Beim Blick nach rechts sehe ich ein junges Liebespärchen, welches sich einen schattigen Platz unter einem der vielen Kastanienbäume ausgesucht hat. Das verstehe ich unter Ruhe, Erholung und Entspannung inmitten des zweiten Wiener Stadtbezirks Leopoldstadt, das ist der Wiener Augarten.

Die Geschichte vom Augarten in Wien

Doch der Augarten ist mehr als nur eine Parkanlage mit Wiesen, Erholungsraum der Wiener und Wienerinnen und den Touristen. Der Augarten hat und ist Geschichte. Der Augarten ist einer der ältesten barocken Gartenanlage Wiens. Die im französischen Stil angelegte Gartenanlage bietet neben einem gepflegten Parterregarten mit aufwändigen Blumenlandschaften auch ein weitläufiges, von schattigen Alleen aus Kastanien, Rüstern, Linden, Eschen und Ahornbäumen durchzogenes Gebiet, das für die Bevölkerung und für touristische Besucher Raum zur Erholung, aber auch zur sportlichen Betätigung bietet. Wie in fast allen Gärten in Wien ist der Zugang in der Nacht nicht möglich, da die fünf Parktore vom Einbruch der Dunkelheit bis zum frühen Morgen geschlossen sind. Im Augarten befinden sich außer Alleen, Blumen, Bäume und Sträucher das Augartenpalais, Sitz der Wiener Sängerknaben, das historische Schloss Augarten mit der Porzellanmanufaktur Augarten, das Atelier Augarten, das Filmarchiv Austria, ein Altersheim, der Lauder Chabad Campus, ein Kinderfreibad und mehrere Sportplätze. 2012 kam der MuTh genannte Konzertsaal der Sängerknaben an der Südspitze des Areals, am Augartenspitz, dazu. 

Die Flaktürme im Augarten

Historische Relikte sind die beiden hohen Flaktürme aus dem Zweiten Weltkrieg, die noch hoch in den blauen Himmel ragen. Neben mehreren Trinkwasserbrunnen stehen im Augarten zwei gastronomische Betriebe zur Verfügung. Die barocke Gartenanlage, das Palais und der erhaltene Teil der ursprünglichen Augartenmauer aus dem frühen 18. Jahrhundert stehen seit dem Jahr 2000 unter Denkmalschutz. Der Park selbst gehört zu den bedeutendsten gartenarchitektonischen Denkmalen Österreichs und steht als solcher explizit unter Denkmalschutz. Der Augarten hat bestimmt auch an kalten nebeligen Tagen einen ganz besonderen Reiz. Schon deshalb, weil er nicht mehr ganz so mit Menschen gefüllt ist, man das Knistern der Äste belauschen kann und vielleicht das ein oder andere neugierige, nach Futter suchende Eichhörnchen entdecken wird. Du erreichst den Wiener Augarten mit den Wiener Linien mit der Straßenbahn 2 und 5 - Haltestelle "Am Tabor", mit dem Bus 5A und der Straßenbahn 31 - Haltestelle "Obere Augartenstraße". Die Parktore werden von November bis März um 6:30 Uhr, von April bis Oktober um 6:00 Uhr geöffnet. Die Schließzeiten richten sich nach der einbrechenden Dunkelheit. 

Fotocollage/Fotos: Federlos

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Kommentare: 2
  • #1

    Elias (Samstag, 17 August 2019 09:19)

    Wunderschön geschrieben und schöne Bilder. Ihr Blog gefällt mir sehr gut. Freue mich auf viele weitere Beiträge.

  • #2

    Nicole (Dienstag, 20 August 2019 21:21)

    Toller Blog! Muss unbedingt auch wieder einmal in den Augarten. Ist doch schon Jahre her. Vielen Dank für den Tipp.