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Der immer mehr in Vergessenheit geratene Barbaratag

Ich denke, kein Monat kommt einem so teuer wie der Dezember. Es beginnt mit dem Advent und dem Kauf der Adventkränze und den Einkäufen an den Adventsamstagen, gefolgt von den Gaben für die Kleinen zu Nikolo und Krampus, das Backen der Weihnachtskekse, dann natürlich die zahlreichen Geschenke für den Heilig Abend. 

Hinzu kommen die jedes Jahr neu gekauften Weihnachtsdekorationen für die Wohnung und den Weihnachtsbaum. Dann muss der Weihnachtsbaum selbst noch gekauft werden - der jedes Jahr noch größer und noch schöner werden soll. Zum Abschluss des Jahres kommen noch die Böller und Feuerwerkskörper für den Jahreswechsel. Dann wird hier und dort noch ein Glücksbringer für die Liebsten fürs kommende Jahr gekauft, ...

An den Festtagen wird auch noch ordentlich aufgekocht und vielleicht gönnt man sich zum Jahreswechsel mal einen etwas teureren Sekt. An den Türen läuten Vereine und Organisationen und bitten um eine Spende, selbst die Stromrechnung schnellt nach oben, weil die Weihnachtsbeleuchtungen an den Fenstern und am Weihnachtsbaum blinken und blitzen, ... 

Das alles läppert sich zusammen und nimmt kein Ende.  

Zu Gedenken an die heilige Barbara

All das versuche ich zu umgehen. Nur einem Tag schenke ich in diesem Monat meine Aufmerksamkeit - der leider immer mehr in Vergessenheit geratene Barbaratag. Der Barbaratag am 4. Dezember ist seit mehreren Jahrhunderten mit besonderen Bräuchen verbunden. Der bekannteste Brauch ist es, frisch geschnittene Zweige von Frühjahrsblühern aufzustellen. Dafür eignen sich sowohl Zweige von Obstbäumen, wie Kirschbaum, Flieder, Birke, Haselnuss, Apfelbaum, Pflaumen- oder Mandelbaum, sowie von Sträuchern, wie Forsythie, Holunder, Zierjohannesbeere, Schlehe, Ginster, Zierquitte und Weide.

Achte darauf, dass du von den Pflanzen nur die Äste abschneidest, die Blütenknospen tragen. In der Wärme der Wohnung treiben die sogenannten Barbarazweige dann neue Knospen, sodass sie zu Weihnachten ihre Blüten öffnen. Gib dazu die Zweige einfach in eine Vase mit etwas Wasser und stelle diese an einen hellen Ort.

Teilweise werden sogar ganze Äste von Obstbäumen benutzt, festlich geschmückt und als Barbarabaum aufgestellt.

Hängt man an den Zweigen ein nett gebasteltes Namensschild seiner Liebsten - es können Freunde oder Familienmitglieder sein - so werden diese im kommenden Jahr besonders mit Glück (Geburt eines Kindes, Hochzeit, Gesundheit, ...) übersät, wenn deren Zweig zu Heilig Abend blüht. Hast du keinen Namen angebracht, verheißt das ihrem Besitzer nach altem Brauch im kommenden Jahr eine große Portion Glück.

Das Aufstellen der Barbarazweige geht auf eine Legende zurück: Der Überlieferung zufolge sollte die heilige Barbara aufgrund ihres christlichen Glaubens hingerichtet werden. Auf dem Weg ins Gefängnis verfing sich ein Kirschzweig in ihrem Kleid, den sie während ihrer Gefangenschaft regelmäßig mit Wasser benetzte. Am Tag der Hinrichtung öffneten sich die Blüten.

Vielleicht schaffe ich es doch, dass der Barbaratag bei dem ein oder anderen Blogbesucher mit diesem Artikel nicht ganz in Vergessenheit gerät. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Christine Barbara (Dienstag, 03 Dezember 2019 09:16)

    für mich jedes Jahr ...denn ich habe am 04.12. Geburtstag, hole mir einen Zweig und stelle ihn ans Fenster. Den Brauch hatte mir meine Oma mal beschrieben - und ich mache das nun seit ca. 20 Jahren. An Weihnachten blüht es dann ganz natürlich auf... ein schönes Gefühl - mitten im Winter :-)
    Freue mich schon auf morgen - da hole ich mir wieder ein Stück Natur ins Haus.
    Herzliche Grüße
    Christine Ferwagner

  • #2

    Konrad (Dienstag, 03 Dezember 2019 09:56)

    Wau, was für ein toller Artikel. Ich denke, wenn sich der Handel mehr damit befassen würde, dann würde auch dieser von dir beschriebene Brauch nicht so in Vergessenheit geraten.
    Scheiß auf Halloween und den ganzen importierten Dreck. Wir haben so schöne Bräuche.
    Aber was verdient so ein Handel an einem Barbarazweig? Ganz ehrlich, auch ich habe nicht mehr daran gedacht. Dank deines Beitrages wird er wieder neu aufgelebt.