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Die Suche nach einem perfekten Tätowierer (Teil 1)

 

Es ist schon eine aufregende Zeit, wenn man sich entschieden hat, das erste Tattoo stechen zu lassen. Über 10 Jahre war es mein Traum, traute mich jedoch nie. Meine Freunde glaubten schon gar nicht mehr daran. Doch nun ist es endlich soweit. Wenn nicht jetzt, wann dann? Meine Gedanken kreisen sich nicht nur um das Motiv und wie wohl das Tätowieren sein wird. Ich mache mir auch Gedanken über meinen Tätowierer, habe ich bisher wenig bis gar nichts mit Künstlern dieser Art der Arbeit zu tun gehabt. 

 

Wie ich zu diesem Traum, ein Tattoo zu besitzen, gekommen bin, kann ich auch noch ganz kurz erklären: Mich faszinieren Männer (und Frauen) mit solchen Kunstwerken an ihren Körpern. Bei meinen Urlauben, Spaziergängen, ... sind sie für mich DER Hingucker.

Es sieht einfach nur geil aus. Gegner von Tattoos werden das Gegenteil behaupten. Es ist aber auch nicht meine Absicht oder Aufgabe, diese Menschen überzeugen zu wollen. 

Ich habe körperlich nun soviel geschafft und durchgezogen, habe eine zweistellige Zahl an Kilos abgenommen und behalte das Gewicht durch Training und Ernährungsumstellung, ... konstant.

Ja es stimmt: 50 ist tatsächlich das neue 30

 

Sympathie und Bauchgefühl

  

Den für mich richtigen Tattookünstler zu finden ist fast so wichtig, wie das für mich richtige Motiv. Darin sahen meine Freunde das Problem. Nicht, dass ich kein Motiv finden werde, sondern dass mir kein Tätowierer sympathisch genug sein wird. Nach gefühlten 20 besuchten Tattoo-Studios (in Wahrheit waren es acht) spielte selbst ich wieder mit dem Gedanken, auf das Tätowieren verzichten zu wollen. 

 

Ich sag euch auch weshalb: Eine Tätowierung ist etwas sehr Persönliches. Es ist ein Körperschmuck, der mich mein Leben lang begleiten wird. Darum sollte die Motiventscheidung wohl überlegt sein. Ebenso aber auch die Wahl des Tätowierers. Schließlich ist er es, mit dem ich – je nach Motivgröße – mehrere Stunden verbringen werde. Er ist es, der mir die lebenslange Körperkunst in die Haut einbringt.

 

Der Tätowierer kann noch so erfahren sein und noch so einen guten Ruf haben, wenn er mir einfach nicht sympathisch ist, sollte ich meine Entscheidung für ihn nochmals überdenken. Denn ich darf eines nicht vergessen: für meine Tätowierung bedarf es mehrere, mehrstündige Sitzungen. Ich verbringe also viele Stunden mit dem Tattookünstler auf engstem Raum, vertraue ihm meinen Körper an, bin ihm Stunden sehr nah. Ist er mir nicht sympathisch, fühle ich mich unwohl und bin dann wohl auch verkrampft. Alles keine guten Voraussetzungen für eine entspannte Tattoo-Session, die ja eine wundervolle Erinnerung werden soll. 

 

Zu guter Letzt muss ich vor allem auf mein Bauchgefühl hören. Ich schaute mir mehrere Studios an und habe verglichen. Wo fühle ich mich wohl? In welchem Studio stimmt die Atmosphäre, und bei welchem Tätowierer hatte ich ein eher mulmiges Gefühl? Ich verlass mich auf meine innere Intuition. Wenn das bei mir alles passt, die Sympathie, das Bauchgefühl und der Wohlfühlfaktor, kann ich mich auch ganz entspannt unter die Nadel begeben. Bei meinem Tätowierer Alexander habe ich ein sehr gutes Gefühl. 

 

Symbolbild - nicht mein Tattoomotiv
Symbolbild - nicht mein Tattoomotiv

Wie habe ich meinen Tätowierer gefunden

 

Die eigenen Arbeiten sind die beste Werbung für einen Tätowierer. Deswegen hielt ich Ausschau auf Instagram, Facebook und Co. Selbst in Sachen Kundenbewertungen half mir das Internet weiter. Ich habe mehrere Wochen investiert um Onlinerecherche zu betreiben. Nach der Recherche habe ich, wie oben schon erwähnt, mehrere Studios besucht und mich beraten lassen. Beim neunten Studio ist dann der "Funken" übergesprungen.

 

Eines ist mir bei der Suche aufgefallen: Tattoostudio ist nicht gleich Tattoostudio. Da gibt es die im Oldschool-Look gehaltenen Läden mit Unmengen von Tattoofotos an der Wand und Rockmusikbeschallung, in die man einfach hineinspazieren kann. Eine neue Generation von Tätowierern arbeitet dagegen gerne in cleanen, stylischen Ateliers, zu denen man nur nach persönlicher Terminvereinbarung Zutritt bekommt. So oder so: Sauber muss es sein, natürlich vor allem in den Räumen, in denen sich Nadeln in die Haut bohren. 

 

Dass mehrere Leute in einem Raum tätowiert werden, ist nicht unüblich – hier ist es Geschmackssache, ob man es lieber ruhig und privat oder laut und voll mag. Einige der Szenegrößen haben das erste, persönliche Beratungsgespräch schlicht abgeschafft. Sie lassen ihre Referenzen und ihren guten Ruf für sich sprechen und kommunizieren mit ihren Kunden vor dem Termin lediglich per Mail.

 

Selbstverständlich muss ich den Tätowierer zuvor kennenlernen, bevor ich mich unter seine Nadel wage. Vor allem für Neukunden wie mich ist das eine gute Möglichkeit, um Fragen zu stellen, sich das Studio anzuschauen und mit dem Tätowierer das Motiv abzusprechen.

 

So habe ich mich schlussendlich für meinem "Tätowierer meines Vertrauens" entschieden. Hier hat wohl die Sympathie, mein Bauchgefühl und der Wohlfühlfaktor - also einfach alles gepasst. Das Studio liegt sehr zentral, keine 30 Minuten von meinem Zuhause entfernt (wobei das NICHT unter meinen Kriterien-Punkten lag) und ist gut mit den Öffis erreichbar. So kann ich nach einer anstrengenden Session entspannt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren.

Es sieht alles sehr sauber aus, Alex scheint ein netter und sympathischer Mann zu sein und die Beratung durch ihn war so gut, dass man sich am liebsten sofort das Tattoo stechen lassen wollte. Das Studio strahlt eine private Atmosphäre aus, es ist klein aber fein.

  

Symbolbild - nicht mein Tattoomotiv
Symbolbild - nicht mein Tattoomotiv

Nach Schritt 1 folgt Schritt 2

 

Schritt eins ist erledigt, Tätowierer und Motiv sind gefunden. Nun folgt der nächste Schritt, ein Termin für diesen für mich wichtigen Tag muss nun her. Schnell ist auch dieser gefunden. Am Tag des Termins tüfteln wir dann noch an der perfekten Position und den letzten Details, bis beide - ich und der Tätowierer - zufrieden sind. 

 

Wie groß soll das Motiv sein? Wo kommt es hin? Farbe oder schwarz? Meine Grundidee ist für beide Seiten gut umsetzbar. Denn wenn Wunsch und Wirklichkeit nicht zusammenpassen, die Körperstelle sich nicht eignet oder die Idee nicht zum Stil des Tätowierers passt, hätte der Tätowierer daraus keinen Hehl gemacht. Besser der Tätowierer fragt kritisch nach oder lehnt sogar ab, als dass das Ergebnis enttäuscht hätte.

 

Vielen von euch interessiert am meisten der Preis. Über Preise spricht man nicht. Wer hierbei auf die Geldbörse achten muss, dem rate ich an, noch ein paar Jahre zu warten. Schließlich handelt es sich um ein Kunstwerk, welches ich ein Leben bei mir tragen werde.

Aber ist besonders teuer auch gleich besonders gut? Nicht unbedingt, hier gibt es große Unterschiede. Aber ein vernünftiges Hautbild hat immer seinen Preis, kein guter Künstler wirbt mit Schnäppchenpreisen. Auch meiner nicht.

 

Erst nach der Beratung sollte ein guter Tätowierer einen Preis nennen, entweder einen Fixpreis oder einen realistischen Von-Bis-Betrag. Bitte bedenke bei der Preisgestaltung, dass in diesen Preis auch die Vorarbeit am Motiv, die Ladenmiete und das Material einfließen, deswegen kommt kein Tätowierer mit einem Stundenlohn von 20 Euro aus.

Gute Tätowierer wissen, was ihre Arbeit wert ist. Sie stellen die Kosten nie in den Vordergrund – sondern die Begeisterung für das Motiv, an dem sie im Zweifel lieber zwei Stunden länger arbeiten, als eine Arbeit abzuliefern, mit der beide Seiten nicht zufrieden sind. 

 

Bevor du dich in den Kommentaren austobst, möchte ich noch eines loswerden: Jeder von uns hat andere Privilegien, die für ihn einen perfekten Tätowierer ausmachen. Meine wichtigsten Punkte sind ganz klar, die Sympathie muss stimmen, dann kommt die Sauberkeit und der Wohlfühlfaktor, gefolgt von einer guten Beratung. Am Schluss kommen Punkte wie die Lage und der Preis. Vielleicht möchtest du mir mitteilen, was für dich wichtig ist.

 

Nach Schritt eins, der Auswahl des Studios und des Tätowierers, folgte also Schritt zwei, das Festlegen des Motivs, das Festlegen der Stelle der Tätowierung und die Terminvereinbarung. Alles habe ich mit Bravour gemeistert. *grins*

Ab jetzt wird es noch spannender!

 

Freut euch also schon auf die weiteren Schritte, denn mein Motiv wird groß und nimmt mehrere Termine in Anspruch. Ich erzähle euch von meinem ersten Tattoo (und die noch folgen), wie es beim Tätowieren war und selbstverständlich zeige ich euch am Ende der Serie die Arbeit meines Tätowierers. Ich freue mich schon riesig auf ihn (Alexander), den ersten Tätowier-Tag, seine Arbeit und das Ergebnis. 

  

Bilder: Symbolbilder aus Pixabay

Links und die Arbeiten folgen in Teil 2

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Kommentare: 6
  • #1

    Gerti (Samstag, 04 Januar 2020)

    Bin schon sehr gespannt auf die Arbeit und was du zu berichten hast. Gratuliere zu diesem Schritt!

  • #2

    Bertram (Samstag, 04 Januar 2020 13:45)

    Oarg. Find ich voll cool.
    Bin schon sehr neugierig was du noch zu berichten hast. Auch ich mache mir Gedanken über ein Tattoo. Werde deinen Teil 2 und 3 verfolgen. LG und noch was: Geiler Blog

  • #3

    Christian aus Wien 12 (Samstag, 04 Januar 2020 13:52)

    Hallo Jürgen und LG.
    Erstmal PROSIT NEUJAHR. Auch bei mir ist es so, dass die Sympathie an erster Stelle kommt. Wobei die Sauberkeit gleich zu stellen sind wie der Wohlfühlfaktor.
    Bin schon sehr neugierig, was du noch zu diesem Thema zu berichten hast. Für das, dass du noch keine Erfahrungen mit Tattoos gesammelt hast, ist dieser Bericht schon mal sehr gelungen.
    Alles Gute und viel Freude mit deinem Tattoo oder deinen Tattoos.
    Christian

  • #4

    Helmut (Samstag, 04 Januar 2020 14:00)

    Bin schon auf das Endergebnis neugierig.
    Machst du Portraits, chinesisches Tattoo, BLACK & GREY (schwarz-weiß), ORIENTAL (Japanischer, östlicher Stil), REALISTIC (Realistischer, Fotoähnlicher Stil), FLORA & FAUNA (Tiere und Pflanzen), Portrait Tattoos (Porträt Tattoos), OLD SCHOOL (Traditioneller Stil)
    NEW SCHOOL. TRASH POLKA (Buena Vista Stil), ...
    Oder bleibt das ein Geheimnis?

  • #5

    Florian B. Wien 10 (Sonntag, 05 Januar 2020 10:30)

    Ich gratuliere zu diesem Schritt. Bin schon sehr auf deinen Teil 2 gespannt. Freue mich auf das Endergebnis. Ja, auch mich faszinieren Menschen (Männer wie Frauen) mit Tattoos, habe mir bisher noch keines geleistet oder leisten können.
    Ein Wagnis, welches ich vielleicht im kommenden Jahr 2021 vornehmen werde.
    Dein Blog ist DIE Entdeckung im noch jungen Jahr 2020.
    Gerne habe ich diesen Artikel geteilt, weil ich weiß, dass ich viele Freunde habe, die sich ebenso ein Tattoo stechen lassen wollen.
    Alles Gute im neuen Jahr und viel Glück beim Tätowierer.

  • #6

    Bulle Schnulle aus HH (Montag, 06 Januar 2020 15:55)

    Moin Moin!
    Sehe es wie Du. Die Sympathie und die Sauberkeit müssen zu 100% passen, alles andere kann abgesprochen werden. Bei uns an der Reeperbahn gibt es unzählig viele (gute) Tätowierer. Welche Körperstellen lässt Du tätowieren?