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Einfach mal auf den Reset-Knopf drücken

 

Ich bin momentan in der Situationen, da möchte ich einfach nur mal so auf den Reset-Knopf drücken. Manche elektronischen Geräte haben ihn. Man drückt ihn, wenn mal irgendetwas im System hakt, mit der Hoffnung, dass sich alles wieder in den blockadefreien Grundzustand versetzt und alle Funktionen wieder reibungslos ablaufen. 

 

Seit einigen Wochen frage ich mich: Gibt es so einen Knopf auch bei mir? Mit meinen 50 Jahren habe ich viel erreicht. Besonders in den letzten zwei/drei Jahren haben viele Veränderungen stattgefunden. Es fand ein Wohnungswechsel statt, Freunde wurden "aussortiert", an mir selbst fanden Veränderungen statt, beruflich und privat hat sich so einiges getan, ... Es wurden Dinge gemacht, bei denen ich sagen kann: So fühle ich mich nun pudelwohl. Doch in welchem Alter auch immer – das Unterbewusstsein speichert jeden Konflikt. Es sammelt sich Disharmonie an. Jetzt benötige ich nur mehr einen Reset-Knopf.

 

Doch der Reset-Knopf ist ein Wunsch, bei dem man sich darüber klar sein sollte, was er bedeutet: Ich setze das System auf den Ursprungszustand zurück. Das bedeutet z.B. bei Adressbüchern, dass sie danach leer sind, beim Smartphone, dass man wieder alles neu eingeben und abspeichern muss. Beim Menschen würde es somit bedeuten, dass er seine Erfahrungen vergisst. Und da gilt dann wieder für mich: das möchte ich auf keinen Fall. Ich habe so viel aus allen guten wie schlechten Erfahrungen gelernt - das möchte ich nicht löschen. Schlechte Erfahrungen können wertvoll sein, bei der nächsten Krise, bei der nächsten Enttäuschung. 

 

Auf der Suche nach meinem Reset-Knopf habe ich die Erfahrung gemacht, dass es diesen Knopf nicht gibt. Das Bewusstsein ist ständig im Wandel und möchte durch sich Neues erfahren. Das ist der Grund, warum wir überhaupt existieren.

 

Die bessere Lösung: Im hier und jetzt leben und auf seine Impulse hören, sich nie Stress im Leben machen, Veränderungen erzwingen. Ich lege immer öfters mein Smartphone zur Seite, TV und PC lasse ich Monate aus. Ich bin offener für neue Dinge gegen die ich zuvor Vorurteile hatte, weil es so in meiner näheren Umgebung üblich war. Ich habe die Ernährung umgestellt und bin so durch das Abnehmen von inzwischen 15 Kilo zu meinem Idealgewicht gelangt. Tattoos finde ich geil, deshalb muss es her. Sport ist gesund, deshalb wird mehrmals wöchentlich gesportelt. Konflikte müssen ausgesprochen werden, meine Meinungen haben einen gleichen Stellenwert wie andere.  

 

Doch wer seine Themen und Konflikte nicht aufarbeitet und mit der Zeit befriedet, verpasst es, Anspannung abzubauen. Ungeklärte Stresszusände, vor allem die Verdrängung von Emotionen, überfordern das System auf Dauer. Irgendwann wird es dem Organismus zu viel, und er gerät in eine Art Starre-Zustand, was soviel bedeutet wie:  "Nichts geht mehr." Dann beginnt wieder die Suche nach dem Reset-Knopf.  

  

 

Meine Suche nach dem Reset-Knopf habe ich aufgegeben! Schon in der frühesten Kindheit passierten Dinge, die für mich prägend und hemmend waren. Man schleppt sie ein Leben lang mit. Nicht jeder ist sich dessen bewusst. Indirekt bemerkt man es an sich ständig wiederholenden Konflikten oder Blockierungen im privaten und beruflichen Alltag. Nur statt Eltern, Geschwister und Familienmitglieder sind die Konfliktpersonen im Erwachsenenleben z. B. Freunde, Geschäftspartner, Kollegen, usw.

 

Wer an sich arbeitet und sich weiterentwickeln möchte, der macht sich auf den Weg der Bewusstwerdung und beginnt, nach und nach seine Themen anzuschauen. Das kann sehr herausfordernd sein, denn ich werde mit meinen verdrängten Gefühlen konfrontiert. Es kann zu einem mehr oder weniger starken Gewitter kommen, mit psychischen und körperlichen Auswirkungen. Nicht jeder Mensch, der sich danach sehnt, sein inneres Potenzial zu verwirklichen und in Frieden zu sein, ist dazu bereit. Dann wünscht man sich wieder den einfacheren Weg, der Weg zum Reset-Knopf.

 

Ich ahne es, mein Zurücksetzen (Reset) findet nur im Kopf oder im Herzen und vielleicht sogar in beiden Bereichen statt. Ich darf nicht mehr nur nach dem "Warum" fragen, sondern muss jedes Schicksal annehmen können. Ich darf mich nicht mehr auf Dramen, Negatives und Mangel konzentrieren. Ich muss aufhören zu leiden oder Opfer zu sein. Ich darf keine Abhängigkeiten mehr erlauben. Ich darf nicht mehr gegen etwas ankämpfen und so meine Energie zu verlieren.  

 

Ich muss aber auch meinen Peinigern vergeben und die eigene innere Ordnung wieder versuchen herzustellen. Ich darf Anderen auch keine Lasten mehr abnehmen, nur damit es Ihnen danach besser geht. Ich muss einfach mal "Danke" sagen, auch für alle negativen Erfahrungen. Ich muss konsequent mein ureigenes "Ich" leben. Ich werde mich nicht mehr Anderen anpassen und mich für Andere verbiegen. Ich muss auf mein Herz hören und das Herz wieder für Andere und Neues öffnen. Ich muss Liebe erlauben und Liebe geben, trotz Enttäuschungen. Ich muss "Ja" zu meinen Bedürfnissen sagen und sie auch erfüllen. Ich muss alles streichen, was mich überfordert, bevor ein Burnout mich dazu zwingt. Ich muss aber auch mal "Nein" sagen können und dabei zu mir selbst ehrlich sein. 

 

Ich bin bereit! 

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Gabi (Sonntag, 26 Januar 2020 10:35)

    Hallo Jürgen da hast du ein Lieblingsthema von mir aufgegriffen. Sich weiterentwickeln, das erlebte einordnen ohne darin hängen zu bleiben. Wir werden durch alle Erfahrungen zu dem wer wir nun sind. Es ist auch wirklich empfehlenswert sich mal Hilfe zu holen auch wenn man denkt man kann alles alleine. Ich bin grade dabei etwas zu ändern - hoffentlich - womit ich ganz schlecht zurecht komme. Alles Gute Gabi

  • #2

    Alexandra (Sonntag, 26 Januar 2020 10:57)

    Hallo Jürgen!

    Ein Thema das uns wohl alle irgendwie und irgendwann beschäftigt....und wie du schreibst manche „brauchen“ leider das Burn out um sich dessen bewusst zu werden.
    Ich bin ja Kinesiologin und kann dir einen kleinen Tipp geben.....es gibt nämlich eine Methode die sich tatsächlich RESET nennt....und zumindest den sich körperlich anstauenden Stress (va im Kiefer gespeichert) zu Leibe rücken kann....und zudem auch noch sehr entspannend ist!
    Es gibt in Wien bestimmt Kinesiologen die RESET anbieten �
    Herzliche Grüße aus Osttirol
    Alex

  • #3

    Christian (Sonntag, 26 Januar 2020 11:03)

    Hallo Jürgen. So ein Reset Knopf wäre oft von Vorteil, auch um Geschehenes ungeschehen zu machen. Aber ja, auch da gebe ich dir recht, man kann daraus lernen. Es sollte nicht ganz verschwinden. Man kann es so entweder besser oder gar nicht mehr machen.
    Finde diesen Artikel immer wieder aktuell. Und er spricht bestimmt auch viele Menschen an. LG, Christian aus Wien

  • #4

    Toni (Sonntag, 26 Januar 2020 11:15)

    Ich denke, der erste Schritt ist immer der schwerste Schritt. Für einen "Neuanfang" kann es nie zu spät sein. Man sieht es an deinem neuen Lebensstil. Du achtest wohl mehr auf dich, nimmst dir mehr Zeit für deine Freunde und entfernst dich von dem was dir nicht gut tut. Wenn das einmal geschafft ist, dann steht einem "FastneuesLeben" nichts mehr im Wege.
    Man muss nichts löschen, entfernen oder zurücksetzen, man kann aber ändern, sich verbessern und lernen.
    Danke für deinen BLOG!

  • #5

    Thomas (Sonntag, 26 Januar 2020 20:16)

    Erstmal muss ich etwas über deinen Blog loswerden: der ist dir super gut gelungen.
    Dein Thema habe ich sehr genau gelesen, denn auch bei mir findet ein Wandel statt. Der Reset Knopf wäre die einfachste Lösung, doch wie du erwähnt hast, will man wertvolle Erfahrungen einfach löschen?