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Das hässliche Grab von Udo Jürgens

 

Letztens war ich wieder am Wiener Zentralfriedhof unterwegs. Der Friedhof ähnelt mehr einer Parkanlage als einer Ruhestätte. Selbst Reh und Fuchs fühlen sich hier sichtlich wohl. Immer wieder zieht es mich zu einer bestimmten Stelle. Vielleicht sogar mit der Hoffnung, dass etwas ganz Hässliches verschwunden ist: Die Grabstätte von Udo Jürgens. Ob sich Udo Jürgens seine Grabstätte so vorgestellt hat wie es nun aussieht, bleibt ein Geheimnis. Ich denk mir immer wieder: Was ist denn das für ein schreckliches Teil.

 

Einen Toten unter einem 6 Tonnen-Grab-Flügel zu begraben, ist echt kein Liebesbeweis. Die Grabstätte von Udo Jürgens ist wahrlich kein Schmuckstück. Struppig und ungemäht wirkt der Rasen um den Flügel auf dem Wiener Zentralfriedhof. Wildrosen ranken wie Unkraut in die Luft, zwischen den wenigen Erinnerungsstücken stehen lieblos zwei Töpfe mit verwelktem Heidekraut.

Nur der schwere Marmorstein in Form eines Flügels erinnert daran, wer an diesem Platz beerdigt wurde: der große Udo Jürgens

(† 80). Doch seine letzte Ruhestätte verwahrlost! Ein paar verwelkte Blumen schmücken den Flügel, wohl ein Überbleibsel aus dem Vorjahr.

 

Seine Asche ruht nun in einem mächtigen weißen Marmorflügel. Doch genau daran scheiden sich die Geister. Die Skulptur aus sechs Tonnen schwerem italienischen Marmor wurde von Jürgens' Bruder entworfen. Der österreichische Bildhauer Hans Muhr hat die Pläne in wochenlanger Handarbeit umgesetzt. Der Marmorblock stellt ein weißes Klavier dar, das von einem Tuch umhüllt wird und auf der Vorderseite vom Schriftzug "Udo Jürgens" geziert wird. Über 70.000 Euro soll das Kunstwerk gekostet haben. Er wollte nicht unter der Erde bestattet werden. Doch das Grabmal gefällt nicht allen. 

 

 

"Das weiße Monstrum vom Zentralfriedhof" wird es schon liebevoll genannt. Viele halten das Denkmal für zu protzig - und das, wo Jürgens zeitlebens ein sehr bescheidener Mensch war. Die Grabstätte erinnere eher an Liberace oder Elvis Presley. Das hat Udo Jürgens echt nicht verdient. "Er dreht sich grad eher im Grab um", höre ich von einer Besucherin.

 

Es scheint der Familie zu gefallen, dieses ein Meter hohe und 1,80 Meter breite Marmorgrab. Udo Jürgens Grab wird nicht nur zur Pilgerstätte, sondern zur neuen Touristenattraktionen am Wiener Zentralfriedhof. Die Fans von Udo Jürgens haben einen Platz zum Trauern. Doch hat er sich seine Grabstätte so vorgestellt? Am Flügel heftet sich schon langsam das Moos, an der Bronze-Rose dürfte manch einer schon mit dem Messer gekratzt haben, um ein Stück Souvenir zu ergattern. Ich finde das Teil einfach nur protzig und schrecklich.

 

Udo Jürgens war am 21. Dezember 2014 bei einem Spaziergang in seiner Wahlheimat Schweiz zusammengebrochen und kurz darauf im Krankenhaus gestorben. Er wurde 80 Jahre alt. Im Januar war die Urne in Zürich, Berlin und Wien aufgestellt worden, damit sich die Fans verabschieden konnten. Schon am Tag der Beisetzung pilgerten viele Fans zum Grab von Udo Jürgens. Das Grab liegt in unmittelbarer Nachbarschaft weiterer Künstler. Der parkähnliche Wiener Zentralfriedhof ist einer der größten Friedhöfe Europas. 

Ein weiterer Artikel: Der Wiener Zentralfriedhof

Foto: Jürgen B. | Federlos.com

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Kommentare: 3
  • #1

    Gabi (Montag, 10 Februar 2020 14:02)

    Wow ist das schiach! Hauptsache ein paar haben was daran verdient fällt mir dazu ein. Lg. Gabi

  • #2

    Manfred (Montag, 10 Februar 2020 15:11)

    Ui, das ist ja tatsächlich ein hässliches Teil. Sollte auch mal wieder durch den Zentralfriedhof spazieren.

  • #3

    Fiffi (Montag, 10 Februar 2020 15:13)

    Naja, schön geht anders. Er wird nichts mehr dagegen haben.