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Funkensonntag in Vorarlberg - der Funken brennt

Erst kürzlich war ich mit einer lustigen Männerrunde unterwegs. Schnell stellten wir fest, die Sprachbarrieren zwischen mir und dem restlichen Teil der Wiener Runde sind nach fast 20 Jahren immer noch nicht ganz überwunden. Mein Gsibergerisches kommt, besonders nach ein/zwei Glühwein (oder waren es doch mehr) gerne schon mal durch. Bei unserem Treffen sind wir draufgekommen, dass keiner der Männer je mal im wunderschönen Ländle ihren Urlaub verbracht hat. Traurig aber wahr! Grund genug, sich mal Gedanken über eine von mir organisierte Bus- oder Zugreise ins Ländle zu machen.

 

Aber mal ganz ehrlich: Hast du den Weg schon mal über den Arlberg gemacht um dort den Urlaub zu verbringen? 

Jeder meinte: Wenn ich Berge möchte, dann fahre ich nach Salzburg oder Tirol. Doch Vorarlberg hat viel mehr als nur Berge und Almen. Vorarlberg hat den wunderschönen Bodensee mit den berühmten Seefestspielen, den besten Bergkäse der Welt und pflegt unzählig viele Brauchtümer und Traditionen, wie sonst kein anderes Bundesland. Traditionen, die teilweise bis in die Bundeshauptstadt Wien exportiert werden. Wir sprechen da zum Beispiel vom Funkensonntag - der von den Vorarlbergern auch jedes Jahr von einem anderen Funkenzunft im "Am Himmel" in Wien durchgeführt wird.  

 

 

Wenn am ersten Sonntag nach dem Fasching die Funken brennen, dann sind die verschiedensten Funkenzünfte schon Monate davor fleißig gewesen. Ich habe mich, des zukünftigen Schwagers Norbert wegen, an die Funkenzunft Götzis geklammert und mich ein klein wenig schlau gemacht und mir von ihm die Bilder zukommen lassen. 

 

Funkensonntag in Vorarlberg

Logo: Jürgen B. | Blog Federlos.com | Link zum Funkenzunft Götzis in Vlbg
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Wenn am 01. März 2020, der erste Sonntag nach Aschermittwoch wieder die Funken brennen, dann wird der Sonntag im Ländle (Vorarlberg) Funkensonntag genannt. Der Funkensonntag ist der erste von sechs Fastensonntagen der katholischen Kirche. Außerdem ist am Funkensonntag die "Alte Fastnacht" vorbei, die auch Bauernfastnacht genannt wird. Seinen Namen hat der Funkensonntag von dem alten Brauch des Funkenfeuers, das im schwäbisch-alemannischen Raum gezündet wird.

 

Unter "Funken" werden im schwäbisch-alemannischen Raum (Vorarlberg, Schweiz, Liechtenstein, Allgäu, Oberschwaben, Schwarzwald) sowie im Tiroler Oberland und Vinschgau Holzscheite verstanden. Diese werden meist von freiwilligen Gemeindemitgliedern am Samstag vor dem Funkensonntag eingesammelt. Es ist auch üblich, alte Weihnachtsbäume oder sonstiges Brennholz, wie beispielsweise Bretter, abzugeben. Auf dem sogenannten Funkenplatz wird dieses Holz meterhoch aufgeschichtet.

 

Es gibt eckige und runde Türme sowie mancherorts auch ungeordnet aufgeschüttete Holzhaufen. Diesen Turm ziert an der Spitze eine aus beispielsweise Stroh gefertigte Puppe, die als Funkenhexe bezeichnet wird. 

 

 

Vielerorts, wie auch bei der Funkenzunft Götzis, werden schon mal schaurig aussehende Gestalten in Form einer Hexe verwendet, die so den Winter darstellen. 

 

Eine Bauernregel besagt, dass eine sternenklare Nacht zum Funkensonntag eine gute Kirschernte vorhersagt. In Vorarlberg wird der Funkensonntag nach dem typischen Funkenküchlein zu diesen Festtag auch als Holepfannsonntag oder Küechli- bzw. Küachlisonntag bezeichnet.

 

Am Funkensonntag wird der mit viel Arbeit erbaute Funken dann endlich in Brand gesetzt. Dieses Event, in Götzis mit Volksfestcharakter, geht auf einen uralten Brauch zurück, nach welchem die Hexe den kalten Winter darstellt, der nun ausgetrieben wird. Die Varianten dieses Festes sind regional verschieden. So werden im Allgäu und Vorarlberg Funkenküchle verzehrt, in Teilen Vorarlbergs Feuerwerke entzündet und mancherorts wird die Funkenhexe mit Schießpulver gefüllt, damit sie lautstark explodiert. 

  

Oft spielt eine Kapelle am Funkenplatz und die Gemeinde feiert bis in die Nacht gemeinsam im Schein des Funkenfeuers. Kinder bringen manchmal Lampions, Laternen oder Fackeln zur Feier am Funkensonntag mit. 

 

Die Bedeutung des Funkensonntags

  

Der Funken Sonntag symbolisiert die Verabschiedung des Winters. Durch das Verbrennen des Funkens soll neues Leben entstehen und der Frühling eingeläutet bzw. willkommen geheißen werden. Spiritueller Hintergrund des Funkensonntags ist unter anderem auch, das Loslassen von alten Dingen (Gewohnheiten, Krankheiten, Erinnerungen, Erlebnisse, ...) aus dem vergangenen Jahr. Das geschieht durch die Kraft des Feuers - das die Sonne symbolisiert.

 

Früher nannte man den Funkensonntag auch Altfasna(ch)t oder Altfasna(ch)t Sunntig. Nach Dreikönig begannen die größten Schüler mit dem Funkozüho (Holzsammeln für den Funken). Solange es Schnee hatte, nahmen sie dazu einen Horner (Schlitten), sonst einen Leiterwagen. Damit möglichst viele Buben die schwere Last ziehen konnten, wurde vorne ein Seil mit fünf Querstäben befestigt.

 

Die Kinder gingen damit an den schulfreien Nachmittagen durchs Dorf und riefen ihre Sprüchlein.

„Schittr, Schollo, Stroh! Wird dr Funka hoh! Stroh, Stroh – semmer froh! Alte Wiber nemmer oh“

 

Sie bekamen von den Leuten Schittr (Holzscheiter), Buschla (Reisigbündel) oder Stroh für den Funken.

An manchen Orten riefen sie zum Dank: “Eu sollen d``Küachle ufgo wia-na Kopfküsse!“

Bekamen sie aber nichts, so riefen sie: “Eu sollen d`Küachle hocka blieba wie na verreckte Krot!“

 

Früher war das Funkenbauen Buabasach (Angelegenheit der Burschen). Sie sammelten das Material für Funken und Fackeln, bauten den Funken, entzündeten das Feuer, schwangen die Fackeln oder schossen Scheiben und sprangen am Schluss über die Glut des abgebrannten Funkens. Nachts, wenn sie heimkamen, bekamen sie noch Küachle (Küchlein). 

 

 

Heute gibt es hierfür eigene Funkenzünfte (Vereine), wie die Funkenzunft Götzis, die für den Aufbau und das Abbrennen des Funkens verantwortlich sind. Schon im Sommer werden von den fleißigen Helfern die Holzschittr gesammelt und geschnitten.

 

Wenn der Funkensonntag naht, werden die Holzschitta zusammengetragen und zu einem gigantischen Turm aufgebaut.

Für die Kinder gibt es vielerorts einen eigenen Kinderfunken - eben alles ein klein wenig kleiner. Die Frauen backen am Funken die Funka-Küachle und der Wintervertreibung steht nichts mehr im Wege. 

 

Wenn die Hexe beim Abbrennen des Funkens nicht zum explodieren kommt, wird vielerorts die Hexe am darauffolgenden Sonntag bei einer eigens angelegten Beerdigungszeremonie begraben, sodass sich der Winter garantiert für diese Saison verabschieden kann. 

Fotos wurden zur Verfügung gestellt vom Norbert E. | Funkenzunft Götzis

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Texte: Jürgen B. | Federlos

 

Hinweis: Der Beitrag wurde jetzt schon online gestellt, damit er bis zu Fasching von Google erfasst und dementsprechend gereiht wird. Kurz vor Funkensonntag wird der Beitrag erneut auf Facebook gepostet. Über dein "Gefällt mir" auf meiner Facebookseite würde ich mich sehr freuen. So verpasst du keiner meiner Beiträge. 

 

Den Link zum Funkenzunft Götzis findest du auch in meiner Linkliste

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Kommentare: 2
  • #1

    Bertram (Mittwoch, 25 Dezember 2019 08:35)

    Danke für den Beitrag. Leider finden sich immer weniger Leute, die freiwillig etwas organisieren und machen wollen. Ohne Geld keine Leistung. Deshalb ist es gut, dass es solche Vereine noch gibt, die Traditionen hochleben lassen. Dein Beitrag würdigt solche Vereine und das schätze ich sehr an deinem Blog!

  • #2

    Heidrun (Mittwoch, 25 Dezember 2019 08:40)

    Kenne diesen Brauch nicht, klingt aber interessant. Da muss ich doch glatt mal ins Alemannische fahren.