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Bei uns gibt es zu Weihnachten keine Geschenke

Black Friday, die Samstage vor den Adventsonntagen, ... Um Himmels Willen, was war das heute auf der Wiener Mariahilferstraße für eine Hektik. So viele aggressive Menschen, ein Geschupse und Gedränge. Wieder einmal bin ich froh, mich nicht in diesen Stress versetzen zu müssen. Einkaufen zur Vorweihnachtszeit ist für mich der reinste Horror.

 

Schenken ist etwas Wunderbares, wir beschenken uns gerne. Bloß nicht zu Weihnachten, nicht auf Knopfdruck. Statt des Gabentisches steht das "Wir" im Vordergrund. Seit wir uns kennen, machen wir das und es wird sich auch nichts daran ändern. Die Vorteile sind nicht nur vernünftig, man spürt sie auch: Man ist frei von Stress, Kopfzerbrechen, lästiger Pflicht, und ohne Müll. Während sich andere an den Adventssamstagen passiv-aggressiv durch Jingle-Bells-beschallte Konsumtempel schieben oder im Internet nach dem Last-Minute-Geschenk suchen, kochen wir gemeinsam, empfangen Freunde aus der Stadt und feiern den Advent mit heißem Punsch auf alternativen Weihnachtsmärkten.  

Wir sind gegen den Druck der Mehrheit. Etwas deshalb zu tun, weil es alle tun, als hätte die ganze Welt an einem Tag Geburtstag. Dann ist da die Industrie, die nervt, die immer neuen aberwitzigen Kram erfindet, der nützlicher sein soll als das Vorgängermodell, das Leben bequemer machen und deshalb unbedingt zu besorgen sein soll. Gegen dieses Diktat von Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft wehren wir uns. Mir gibt das die Freiheit, wirklich in den Feiertagen anzukommen, Ruhe zu finden und die menschlichen Beziehungen in den Mittelpunkt zu stellen. Die besonderen Augenblicke des Advents mit Freunden und Familie zu teilen.

 

Wir haben nichts, aber auch gar nichts gegen das Schenken an sich. Wir wissen, dass Schenken freundliches Kommunizieren bedeutet. Wer ein Geschenk macht, fühlt sich dem Beschenkten emotional verbunden, schätzt ihn wert. Die Botschaft heißt: "Ich mag dich, ich hab' dich lieb." Deshalb schenken wir auch gern, aber eben einfach so, ohne Anlass oder zu Geburtstagen.

Es sind Ausflüge ins Kino, ins Theater, Konzert oder zu einem Musical - geteilte Zeit, zu einer besonderen Veranstaltung, für die gemeinsame Erinnerung. Wir sind nicht kleinkariert, spießig oder knausrig, bloß, warum noch mehr Dinge kaufen, in die Ecke stellen oder wegwerfen? Verschwendung ist ein Übel. Es geht uns nicht ums Geld. Wir verdienen gut und es herrscht keine Not im Hause, wir müssen auf nichts verzichten. Es geht darum, nachhaltige Werte zu schaffen.

 

Wir versuchen, eine Realität zu schaffen, die möglichst wenig materielle Sehnsüchte weckt und das Anspruchsdenken gar nicht erst bedient. Wir brauchen als Gesellschaft mehr Kreativität und Freigeistigkeit. Eine Sache wird aber auch bei uns so sein wie bei allen anderen: Die Wohnung wird weihnachtlich geschmückt. Natürlich braucht es etwas, was die festliche Atmosphäre bringt. Am Abend kommt ein fein zubereitetes Essen auf den Teller. Ohne einen Hauch Luxus funktioniert Weihnachten eben doch nicht. Auch bei uns ist Heiligabend eben kein Tag wie jeder andere. 

Besuche dazu auch diesen Artikel: Das Christkind und ich werden keine Freunde

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Kommentare: 3
  • #1

    Gabi (Samstag, 30 November 2019 15:27)

    Seufz - ich bin nicht alleine auf dieser Welt mit solchen Gedanken. Schön, daß es noch andere Menschen gibt, die nicht jeden Wahnsinn mitmachen. Ich werde einen Punsch auf Euch trinken. Herzliche Grüße Gabi

  • #2

    Leon. Kaspar (Samstag, 30 November 2019 20:48)

    Was für ein wunderbarer Blog. Als könntest du meine Gedanken lesen. Erst Halloween, dann Advent, der Nikolaus und dann Weihnachten. Man kommt vom Kaufrausch gar nicht mehr los.

  • #3

    Gudrun Lochte (Sonntag, 01 Dezember 2019 14:42)

    Endlich noch jemand, der nicht dem Geschenkewahn verfallen ist. Wir schenken uns auch nichts, sondern verbringen viel lieber besondere Zeit miteinander.
    Viele Grüße
    Gudrun