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Unterwegs am Naherholungsgebiet Wienerberg in Favoriten

Heute berichte ich von unserem Spaziergang durch ein Grätzel in meinem Stadtteil Favoriten in Wien. Ich spreche vom Naherholungsgebiet Wienerberg mit seinem Wienerbergteich. Keine Angst wenn ich vom Wienerberg schreibe!

Wir unternehmen keine Bergwanderung. Es handelt sich beim Wienerberg um einen sanften Bergrücken, der sich am Südrand Wiens auf knapp 250 Meter Höhe erhebt. 

Wienerberg - der sanfte Hügel in Wien 10

Der Himmel zeigt sich von seiner besten Seite, die Kälte fühlt sich so richtig knackig an, die Hunde toben in der Hundezone, Jogger queren den Weg - es steht uns also ein richtig schöner Spaziergang bevor. Kaum betrete ich das Areal, wird mir wieder einmal bewusst: Favoriten ist gar nicht so schlecht wie sein Ruf. (Was ich immer schon wusste!)

Historischer Wienerberg

Der Anblick lässt es kaum vermuten, aber wir bewegen uns tatsächlich auf historischem Boden: Die lehmreiche Erde des Gebiets wurde seit der Römerzeit für die Herstellung von Ziegeln verwendet, aus denen so bedeutende Bauten wie die Semmeringbahn und das Wiener Arsenal errichtet wurden. Aus der unter Kaiserin Maria Theresia gegründeten Ziegelfrabrik entstand die Firma Wienerberger, die heute weltweit tätig ist.

 

Nachdem der Abbau Mitte des 20. Jahrhunderts unrentabel geworden war, wurde das Areal in ein Erholungsgebiet umgewandelt. Auf einer Gesamtfläche von 117 Hektar finden nun LäuferInnen und Erholungssuchende viel Raum für ihre Aktivitäten.

Der geschützte Teil weist eine vielfältige Flora und Fauna auf, darunter auch einige der auf der Roten Liste stehenden Arten, wie etwa der große Feuerfalter oder die europäische Sumpfschildkröte.

 

Die weithin sichtbaren Wahrzeichen des Wienerbergs sind die Spinnerin am Kreuz und der alte Wasserturm Favoriten. In jüngster Zeit kamen die Hochhaustürme des Architekten Massimiliano Fuksas, der Vienna Twin Tower dazu. Sie sind Teil des neuen Wienerberg City genannten Geschäfts- und Wohnviertels, das noch die weiteren Hochhäuser Delugan-Meissl-Tower, den Coop-Himmelb(l)au-Tower und den Monte-Verde des Architekten Albert Wimmer umfasst.

Feuerfalter, Sumpfschildkröte und Wasserturm

Es existieren am Erholungsgebiet Wienerberg ein 14 km langes Wegenetz, mehrere kleine Teiche sowie der größere Wienerberg-Teich, Spielplätze, ein Streetballplatz, mehrere Fußballplätze, ein Beachvolleyballplatz und Radwege. Der Wienerberg-Teich wird bei entsprechenden Temperaturen als Naturbadeplatz genutzt und weist laut Untersuchungen der Stadt Wien auch eine ausreichende Wasserqualität auf, ist jedoch derzeit nicht offiziell als solcher gewidmet.

 

Weiters gibt es eine eigene Hundezone, mehrere Liegewiesen, einen Heilkräutergarten, den Biergasthof Chadim, eine Pferdekoppel sowie Laufstrecken, sogenannte Running Checkpoints.

Der Wasserturm Favoriten, das markante Bauwerk im Stil des industriellen Historismus findet sich auf der Kuppe des Wienerberges, und ist vom Süden weithin sichtbar. Der heute denkmalgeschützte Wasserturm wurde in den Jahren 1898 bis 1899 errichtet. Ein Teil des Baumaterials kam aus Kaisersteinbruch, harter Kaiserstein aus dem Hausbruch und Neukaiserstein aus dem Kapellenbruch der Familie Amelin.

 

Der Turm war Teil eines größeren Gebäudekomplexes und diente zur Versorgung der höher gelegenen Gebiete des 10. und 12. Bezirkes Wiens, für die der Druck vom unmittelbar daneben liegenden Wasserbehälter Wienerberg nicht ausreichte. Nach der Inbetriebnahme der II. Wiener Hochquellenwasserleitung im Jahre 1910 war der Turm nur noch fallweise in Betrieb, wenn etwa die Hochquellenwasserleitung für Instandhaltungsarbeiten trockengelegt wurde.

Um unbeabsichtigte Störungen der Nester und Jungvögel in der Brutzeit zu vermeiden, wurde am Wienerberg von BirdLife ein eigenes Informationssystem aufgebaut. Erholungsuchende erfahren auf Infotafeln rund um den Wienerbergteich Wissenswertes über das Vogelparadies und werden über das richtige Verhalten, besonders während der Brutzeit der Vögel, aufgeklärt. 

Du erreichst das Erholungsgebiet Wienerberg mit der Straßenbahn-Linie 1 (direkt vom Stadtkern/Ring und von der Praterallee), die Station befindet sich direkt beim Wasserturm, sowie mit der Straßenbahn-Linie 11 (direkt vom Zentralfriedhof und Reumannplatz U1). Selbst Busse der Wiener Linien, wie etwa der 15 A, 65 A, 7 A und 7 B bringen dich zum Erholungsgebiet. 

Fotos: Jürgen B. Federlos.com

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