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Weshalb ich keine Pakete für Nachbarn annehme

Ich mag ja meine Nachbarn sehr gerne. Alle - ohne Ausnahme - sind freundlich, leise und sehr rücksichtsvoll. Weshalb ich trotzdem keine Pakete für Nachbarn annehme, versuche ich mit diesem Blogartikel zu erklären. Dazu schildere ich in Punkt 7 ein selbst erlebtes Ereignis. Pakete für Nachbarn annehmen ist für viele zur Gewohnheit geworden, mitunter eine nervende Gewohnheit, dank Amazon, Zalando und Co. Schließlich boomt der Online-Handel, und Paketzusteller geben sich tagsüber die Klinke in die Hand. Gerade zur Vorweihnachtszeit steigt das Paket-Aufkommen erheblich. Da ich meist von zuhause aus arbeite, kann es zu bestimmten Zeiten (vor Weihnachten, ...) schon mal vorkommen, dass es am Tag bis zu dreimal an meiner Wohnungstüre klingelt. Post, DHL, Hermes, DPD, Amazon-Paketdienst, ... machen dies möglich. Ich muss dazu erwähnen, ich wohne in einem Mehrparteien-Haus. Im Großen und Ganzen ist man als hilfreicher Nachbar vor Rechtsfolgen gefeit. Es handelt sich schließlich meist nur um eine Gefälligkeit. Es kann trotzdem mühsam und nervig werden. 

Paketannahme für den Nachbar - wer haftet bei Schäden?

Unsicher sind sich viele Menschen, ob man für etwaige Schäden am Inhalt haftbar gemacht werden kann, wenn sie ein Paket für Nachbarn entgegennehmen. Dafür gibts Entwarnung: Der Händler müsste beweisen, dass die Ware während der Aufbewahrungszeit beschädigt wurde. Einen solchen Beweis zu führen, ist in der Praxis aber äußerst schwierig. Stellt der eigentliche Empfänger beim Auspacken Schäden an der Ware fest, kann er sie an den Händler zurücksenden. Der Gesetzgeber sichert Verbrauchern im Versandhandel pauschal ein 14-tägiges Rückgaberecht zu. Ohne Angabe von Gründen kann man die bestellte Ware innerhalb dieser Frist an den Absender zurückschicken und erhält daraufhin den Kaufpreis erstattet. Die Frist beginnt dabei nicht mit der Zustellung beim Nachbarn, sondern erst, wenn der eigentliche Adressat das Paket bei diesem abholt. 

Aber es gibt Ausnahmen! Man kann die Annahme von Paketen für andere selbstverständlich verweigern. Manchmal sollte man das sogar. Gerade in einem Mehrparteien-Haus kennt man nicht jeden Nachbarn mit dem Namen. 

7 Punkte, weshalb ich keine Pakete von Nachbarn annehme

  1. Wenn man nicht zu 100% weiß, dass es die auf einem Paket adressierte Person im Haus gibt, dann sollte man eine solche Sendung überhaupt nicht annehmen. Wenn es sich später als Straftat herausstellt, weil Betrüger zum Beispiel einen falschen Namen auf die Klingel einer leerstehenden Wohnungen gesetzt haben, dann ist dadurch höchst wahrscheinlich ein Schaden entstanden – und zwar dem Absender, zum Beispiel dem Händler. Die einzige Adresse in der Sendungsverfolgung ist der Nachbar, der die Sendung für jemand anderen angenommen hat, also meine Adresse. Kommt es zu einem Verfahren, müsste aber Vorsatz nachgewiesen werden. Der wäre etwa gegeben, wenn man das Paket angenommen hat, im Wissen darum, dass es den Adressat an der Adresse nicht gibt. Das gilt auch, wenn ein Fremder im Besitz der Abholkarte ist und die Postsendung in Empfang nehmen will.
  2. Wenn ich ein Paket annehme, es dem tatsächlichen Empfänger dann einfach vor die Wohnungstür lege und es wird gestohlen, dann habe ich mich fahrlässig verhalten und kann dazu verurteilt werden, Schadenersatz zu leisten.
  3. Wenn einem das Paket, das man für den Nachbarn angenommen hat, hinfällt oder man stolpert darüber und beschädigt den Inhalt, dann handelt man ebenfalls fahrlässig. Den Schaden könnte man dann seiner Haftpflichtversicherung melden, die müsste dafür aufkommen.
  4. Andere Situation: Das Paket wird aus der Wohnung gestohlen - wer haftet dann? "Sobald man eine Postsendung für einen Nachbarn annimmt und in der Wohnung aufbewahrt, gehört sie zum Hausrat".
  5. Man sollte auch immer auf Beschädigungen bei der Annahme achten, auch wenn das Paket an jemand anderen adressiert ist und man nur eine Gefälligkeit etwa für einen Nachbarn leistet. Ist die Verpackung deutlich eingerissen oder anderweitig beschädigt, sollte man die Annahme besser verweigern, einfach um Ärger zu vermeiden, um den sich besser der eigentliche Empfänger kümmert. Hat man dennoch eine bereits beschädigte Sendung angenommen, kann man dafür aber nicht belangt werden. Das muss der tatsächliche Empfänger dann mit dem Absender ausmachen, oder mit dem Postunternehmen. In der Regel ist es in solchen Fällen so, dass der Absender der Sendung, also der Händler, beim Postdienst eine Schadensmeldung macht. Das Postunternehmen muss dann prüfen, wie es zu dem Schaden gekommen ist. Doch möchte ich erst in solch eine Situation kommen?
  6. Herausgeben darf man das Paket nur an seinen rechtmäßigen Empfänger. Händigt man die Sendung der falschen Person aus, weil man eben die Nachbarn nur vom Sehen, nicht aber vom Namen her kennt, ist man dem korrekten Adressaten gegenüber schadenersatzpflichtig. Wenn man diesen nicht persönlich kennt, sollte man sich deshalb zur Sicherheit einen Ausweis zeigen lassen, bevor man ein Paket herausgibt. Doch fassen wir uns mal an die eigene Nase: Hast du bei der Übergabe eines Paketes schon mal einen Ausweis verlangt? Die Vorlage des Benachrichtigungszettels allein ist kein ausreichender Nachweis, dass es sich tatsächlich um den rechtmäßigen Empfänger handelt. Schließlich werden die Karten nicht selten einfach frei zugänglich an die Haustür geklebt.
  7. Was aber, wenn niemand das Paket abholt? So war es erst kürzlich bei mir der Fall. Tage stand das nicht zu kleine Paket bei mir in der Wohnung herum. Also muss ich zusätzlich aktiv werden und dem Nachbarn einen Zettel in den Postkasten werfen oder bei ihm anklingeln. Sollte darauf nicht reagiert werden, habe ich die Mehrarbeit, dass Paket wieder an den Absender zu senden. Allerdings muss der Absender es nicht annehmen, da es ja aus seiner Sicht angenommen wurde. Das ist unter Umständen auch dann ein Problem, wenn es sich nicht um ein Privat­paket sondern eine Bestellung handelt und die Rückgabe­frist bereits abgelaufen ist. Darüber hinaus müsste ich wohl für das Porto aufkommen, was ja auch ärgerlich ist. Da ist man zuvorkommend und hilfsbereit – und hat schließlich auch noch Kosten. Also an den Absender zurückschicken kann der Ersatzempfänger ein einmal angenommenes Paket nicht so ohne Weiteres. "Ich muss es behalten und aufbewahren bis es bei mir abgeholt wird", so auch ein Post-Experte. Zwischen mir und dem Absender bestehe schließlich kein Vertrag, sodass ein Händler nicht verpflichtet werden kann, die Ware vom Ersatzempfänger wieder zurückzunehmen. Wenn das Paket gar nicht abgeholt wird, bleibt mir nur, Kontakt zum eigentlichen Empfänger zu suchen und aufzunehmen sowie ihm eine Frist für die Abholung zu setzen. In meinen Augen nur unnötige Scherereien und Mehrarbeit. 

Meine persönliche Empfehlung nach meinen Erlebnissen lautet: Klare Absprachen nur mit den Nachbarn treffen, mit denen man auch privat einen guten Kontakt pflegt. Klappt es mit dem Nachbarn, dann klappt es auch mit der Paketannahme. Der eigentliche Empfänger kann das Paket auch gut in die Firma senden lassen. Jeder gute Online-Shop oder Online-Händler bietet die Möglichkeit an, eine Zustelladresse bei er Bestellung anzugeben. Ich nehme gar keine Pakete mehr an, schließlich muss auch ich für meine Pakete den Weg zum Paketshop oder zur Post auf mich nehmen.

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