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Zu Besuch in der Storchenstadt Marchegg

 

Sie sind bald wieder da - die Störche von Marchegg. Das heißt auch für uns wieder, dass wir die Stadt an der March, gelegen an der Grenze zur Slowakei, besuchen werden. Die weiten Marchauen, bei Hochwasser überschwemmt, sind wegen ihrer Flora und Fauna nicht nur atemberaubend schön, sie sind auch geschützt.

 

Die Stadt und das Schloss Marchegg wurde 1268 von König Přemysl Ottokar II. von Böhmen, der damals in Österreich herrschte, und dem Bischof von Olmütz Bruno von Schauenburg, als Stadt an der Grenze zu Königreich Ungarn erbaut. Es handelt sich um eine Gründungsstadt, die nach mittelalterlichen Planungsgrundsätzen mittels Achsenkreuz angelegt wurde.

 

Bemerkenswert ist die Lage und Orientierung der Pfarrkirche, die mit der Geometrie der Stadt verknüpft ist. Das Langhaus wurde am Gründonnerstag und der Chor am Ostersonntag in diese Zeit nach der aufgehenden Sonne orientiert, sodass die Längsachse der Kirche einen leichten Achsknick aufweist. 

 

 

Österreich fungierte Anfang der 1970er Jahre als Transitland für auswandernde jüdische Sowjetbürger. Die Auswandererzüge erreichten Österreich an der Grenzstation Marchegg. Hier fand am 28. September 1973 der erste Terrorakt von Palästinensern in Österreich statt. Aus einem Zug mit jüdischen Emigranten wurden vier Geiseln (drei Emigranten und ein österreichischer Zollbeamter) entführt und zum Flughafen Wien gebracht. Nach Zusicherung der Bundesregierung zur Auflösung des Transitlagers in Schloss Schönau wurden die Terroristen am 29. September 1973 ausgeflogen. 

 

Schloss Marchegg und die Störche

 

Das Schloss Marchegg ist ein wunderschönes Barockschloss. Als eines der fünf Marchfeldschlösser ist es als Ausstellungsort für die Niederösterreichische Landesausstellung im Jahr 2022 auserwählt worden. Dazu wird das Schloss komplett revitalisiert und restauriert. Dort, wo das Flussbett der March schon in längst vergangenen Zeiten „ums Eck“ verlief, entstand im 13. Jahrhundert eine Wasserburg, das heutige Schloss. Die heutige Prägung allerdings erhielt es erst in Barockzeiten: Es diente der K. u. K. Monarchie als beliebtes Jagdschloss.

 

Die Störche von Marchegg

 

Von Frühjahr bis in den Sommer (Ende August) verweilen in Marchegg die Störche. Die etwa hundert Störche bilden zusammen die größte Storchen-Kolonie Mitteleuropas. Alte, meist abgestorbene Eichen am Rande der March-Auen hinter dem Schloss sind der ursprüngliche Lebensraum der Weißstörche. Sie sind leicht anzufliegen, bieten guten Schutz und eine tolle Aussicht. Weißstörche sind nicht besonders heikel in der Zusammenstellung ihres Speiseplans: Alles, was nicht zu klein oder zu groß und leicht zu erbeuten ist, wird gefressen.

 

Das Klappern der großen Vögel, die keine Stimme haben, kann vieles bedeuten: So wird um Weibchen geworben, werden Familienmitglieder begrüßt oder horstfremde Artgenossen vertrieben. Ende August fliegen sie wieder nach Südafrika, verbringen dort den Winter und kommen im Frühjahr wieder zurück. Die Marchegger Störche legen dabei eine Strecke (hin und zurück insgesamt) von fast 20.000 km zurück, das entspricht einer halben Erdumkreisung.

 

Die Störche von Marchegg findest du ganz einfach, indem du das Schloss besuchst und dann den Weg zur Storchen-Kolonie folgst. Schon beim Schloss kannst du das Klappern der Störche hören. 

 

Anreise nach Marchegg

 

Marchegg liegt nur wenige Kilometer östlich von Wien entfernt und ist mit dem Auto in rund einer Stunde Fahrzeit zu erreichen. Von Wien aus gibt es gute und regelmäßige (zwei mal in der Stunde) Bahnverbindungen. Vom Bahnhof Marchegg zum Schloss Marchegg und zur Storchen-Kolonie sind es etwa 3 Kilometer Fußweg, welche in gut 35 Gehminuten zu schaffen sind. Die Fahrtzeit mit der Bahn von Wien nach Marchegg dauert etwa 50 Minuten. Marchegg kannst du auch gut mit dem Fahrrad erkunden. Über die Fahrradmitnahme mit der Bahn, sowie die Abfahrtzeiten erkundige dich bei der ÖBB

 

Im Schlosspark von Marchegg finden alljährlich tolle Veranstaltungen statt. So zum Beispiel der Ostermarkt, das Mittelalterfest und ein schöner Weihnachtsmarkt. Alle Infos dazu findest du auf der Homepage von Marchegg

 

Fotos: Jürgen B. | Federlos.com

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Gerda (Mittwoch, 05 Februar 2020 07:23)

    Toller Beitrag, da sollte ich auch wieder mal hin. Ist immer wieder schön hier. Besonders die Wege für eine ausgiebige Wanderung sind herrlich. Danke für diesen Beitrag und die schönen Bilder.