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Vor den Ferien in den U-Bahnen der Wiener Linien

Ich bin mir nicht sicher, wer die langen Sommerferien mehr benötigt: Die Schüler, um das Gelernte verarbeiten zu können und um sich einen klaren Kopf für Neues zu schaffen, oder doch manche Lehrer und Lehrerinnen, die mit ihren Schützlingen, auch wenn sie brav sind, überfordert sind. Wer in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien mit den öffentlichen Verkehrsmitteln der Wiener Linien unterwegs war, besonders in den U-Bahnen, der konnte in der Früh die unzählig vielen Schulklassen wahrnehmen. An manchen Stationen konnten neue Fahrgäste erst gar nicht mehr zusteigen, so voll waren die Bahnen. In meinem Fall war um 8:30 Uhr die U-Bahnlinie 1 ab dem Reumannplatz bis VIC-Kaisermühlen gerammelt voll. In der Station Südtiroler Platz/Hauptbahnhof kam noch eine weitere Klasse hinzu - und die hatte es echt in sich. An die 20 Schüler und Schülerinnen mit zwei Lehrpersonen betraten meine Garnitur. Doch diesmal zeigte sich ein komplett anderes Bild, als man es erwarten durfte: Waren die Schüler und Schülerinnen brav, leise und diszipliniert, brüllte eine der zwei Lehrerinnen im Sekundentakt um sich herum: "Selina, halt deinen Mund", "Manuela, sei endlich still", "Ismael, noch ein Wort und du steigst bei der nächsten Station aus", "Madeleine, noch ein Wort und du kannst gleich mit aussteigen", "Marko, hör auf damit", "Ellen, ich will von dir den ganzen Tag nichts mehr hören". Ich konnte mir nicht die Namen der ganzen Schulklasse merken.

Was muss das für ein gestresstes Schuljahr für diese Lehrerin gewesen sein? Eigentlich bin ich, was Kinder- bzw. Schüler-Lärm angeht, sehr empfindlich. Bei jeder Schulklasse stellt es mir die nicht vorhandenen Nackenhaare nach oben. Doch hier war an den Kindern nichts zu auszusetzen. Selina fragte, ob sie sich da festhalten darf, Manuela flüsterte einer anderen Schülerin ganz leise etwas zu, Ismael bot einer älteren Damen seinen Sitzplatz an und Madeleine hab ich gar nicht wahrgenommen. Marko kaute nur an seinem Kaugummi und Ellen - was hat sie gemacht? Sie sagte kurz und leise "Aua" weil eine andere Schülerin ihr auf die Zehen stieg. Nur die brüllende Lehrerin war zu hören - vom Hauptbahnhof bis Kaisermühlen - in einer Tour ohne Pause. Das mit einer so grellen und ohrenbetäubenden Stimme - gruselig. Man bekam das Gefühl nicht los, dass sie gar auf das Atmen verzichten wolle. Liebe Schüler und Schülerinnen dieser Schulklasse - auch wenn ihr meinen Blog wahrscheinlich nicht finden werdet, aber ihr ward einsame SPITZE! Ihr habt euch vorbildlich verhalten und unterhalten. Jetzt sind Ferien - vielleicht seid ihr danach für immer diesen Schreihals los. Ich wünsche es euch. 

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