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Etwas Ruhe kehrt ein - im Wiener Prater

Jessas, das in meinem Alter: Der Prater gehört mit zu meinen Highlights an Plätzen was Wien zu bieten hat. Die Buden, die Fahrgeschäfte - ob alt oder neu, die Lokale und das bunte Treiben schenken dem Prater etwas, was man so nicht mehr wieder findet. Erst nach mehreren Jahren meines Wien-Aufenthalts wurde ich jedoch aufgeklärt: der Prater ist mehr ist als nur Riesenrad, Geister- und Achterbahn, Wilde Maus, Calafati, Toboggan, Schweizerhaus, Blumenrad, Autodrom und so vieles mehr. 

Prater - mehr als Vergnügungspark

Der Prater besteht heute noch zu großen Teilen aus ursprünglich von der Donau geprägten Aulandschaften. Der Prater beginnt am Praterstern - ein Verkehrsknotenpunkt in Wien - geht entlang der Hauptallee bis hin zur Donau. Wenn ich jedoch in meiner Heimat vom Prater erzähle, ist häufig nur der Vergnügungspark - also der Wurstelprater - bekannt. Genau um diesen kleinen Teil des Praters geht es heute bei diesem Artikel.

Es wird leiser - im Wurstelprater

Auch wenn es am Riesenrad im Dezember einen Weihnachtsmarkt gibt, man spürt dennoch so langsam, über den Prater kehrt etwas Ruhe und Stille ein. Die Zurufer an den einzelnen Fahrgeschäften verlieren so langsam ihre Stimme, Ausbesserungsarbeiten an den Attraktionen von der vergangenen Saison werden durchgeführt, das Schweizerhaus schließt so langsam seine Pforten und die bunten Lichter in den Nachtstunden werden auch immer weniger. Die Wiener Wiesn, eine Kopie des Münchner Oktoberfestes, schließt bald seine Zelte. Spätestens da wird auch mir bewusst, der Prater hat tatsächlich ein wenig Ruhe verdient.

Ich möchte diese Ruhezeit dazu nutzen, euch meine Erlebnisse und meine Eindrücke aus diesem Jahr anhand von Bildern zu zeigen. Es sind ein paar wenige Schnappschüsse, die so einfach beim Durchschlendern und Fahren einzelner Attraktionen entstanden sind.

Was viele Gäste aus dem Ausland beim Besuch des Praters schon mal überrascht: Im Gegensatz zu vielen anderen Unterhaltungsparks ist der Eintritt auf das Pratergelände frei. Die konsumierten Unterhaltungen sind bei den einzelnen Schaustellern zu bezahlen. Ein Familienausflug mit zwei Kindern oder ein Ausflug mit Freunden kann da schon mal mit einen höheren zweistelligen Eurobetrag enden - wenn man viel unternimmt.

Schweizerhaus, Meierei, BBQ-die Allee, Gösser Eck, ...

Verhungern kann man am Prater nicht, denn gastronomisch hat der Wurstelprater viel zu bieten. Beliebt sind zum Beispiel die Lángos, die an zahlreichen Ständen erhältlich sind, dann das bekannte Schweizerhaus. Heutzutage ist das Schweizerhaus vor allem für sein echtes Budweiser Bier und die Schweinsstelze bekannt. Die in Schokolade getränkten Früchte, die gebrannten Mandeln und die Zuckerwatte an den bunten Ständen sind nicht nur bei Kindern sehr beliebt. Gleich neben dem Riesenrad liegt das bekannte Restaurant der »Eisvogel«.

Das Restaurant "Die Allee" hat sich zu einem beliebten Treffpunkt für BBQ-Freunde entwickelt. Von einem imposanten Smoker kommen Gerichte wie das Pulled-Pork oder der geräucherte Wiener Tafelspitz. Dann gibt es noch die Meierei mit seinen leckeren Strudeln, die Kolariks Luftburg - hier gibt es nichts was es nicht gibt, dann das Gösser Eck, das Bitzinger und vieles mehr.

Das Wiener Riesenrad

Am Riesenrad kommt man nicht so einfach vorbei, weder im Sommer noch im Winter. Von fast allen Ecken Wiens ist das Wahrzeichen des Praters, wenn nicht gar der Stadt, gut zu sehen. Es steht da, als möchte es den Besuchern sagen: "Steigt ein und ich zeig dir was "mein Prater" (und mein Wien) zu bieten hat." 

Es wurde 1897 zur Feier des 50. Thronjubiläums Kaiser Franz Josephs I. errichtet und war zur damaligen Zeit eines der größten Riesenräder der Welt. Nach Schäden durch den Krieg (Brandschäden) wurden nur noch 15 der 30 Waggons wieder eingehängt. Das Riesenrad mit 15 Waggons wurde ein Symbol des Wiederaufbaus. 2016 wurde begonnen, die 15 alte Waggons gegen neue auszutauschen, die nach den Originalplänen von 1896/97 gebaut wurden. 

Calafati, Tobogga, Watschenmann und Co

Neben dem Riesenrad sind der Calafati, das Tobogga und der Watschenmann weitere Wahrzeichen des Wurstelpraters. Der Calafati ist eine neun Meter hohe Figur eines Chinesen, auch „Großer Chineser“ genannt. Ursprünglich verzierte diese Figur seit einem 1854 durchgeführten Umbau des von einer kleinen Dampflokomotive gezogenen Ringelspiels. Im April 1945 wurde der Calafati während der Schlacht um Wien völlig zerstört. 1967 wurde eine Nachbildung des „Großen Chineser“ aus Kunststein erstellt.

Die Republik Kugelmugel

Ein ungewöhnliches Objekt, das im Prater steht, ist die Republik Kugelmugel. Kugelmugel ist ein auf einem kleinen mit Stacheldraht umzäunten Stück Grund aufgestelltes Kugelhaus von 8 Meter Durchmesser, das vom Künstler Edwin Lipburger geschaffen und 1982 hierher verlegt wurde, nachdem er es 11 Jahre davor ohne amtlichen Konsens in Niederösterreich errichtet hatte. Es kann als Mikronation gesehen werden. Der mit Wiese bewachsene Platz von kaum 100 m2 Fläche wurde vom Künstler mit einem offiziell wirkenden Straßenschild Antifaschismusplatz bezeichnet.

Es herbstelt im Prater ...

Doch wenn jetzt die Blätter der Kastanienbäume auf der Prater Hauptallee vom satten Grün sich zum zart-leuchtenden Goldbraun verwandeln, die ersten Kastanien - eingehüllt in ihrem stacheligen Mantel - von den Bäumen fallen, wenn das Schweizerhaus schließt und die Gassen zwischen den Attraktionen sich lichten, dann stellt man langsam und vielleicht auch ein klein wenig wehmütig fest, der Herbst hat schon richtig viel Arbeit geleistet. 

Auch wenn der Prater keinen Winterschlaf macht - ein wenig Ruhe haben sich der Prater, die Mitarbeiter und Schausteller, doch verdient. Mir bleibt nur mehr zu hoffen, dass schon bald der nächste Frühling kommt und ich auf der Wiener Rutsche mein erstes Wett-Rutschen mit meinen Freunden machen kann. Wer weiß, ob und was der Prater in der kommenden Saison 2020 für neue Fahrgeschäfte oder Veranstaltungen anzubieten hat. Ich bin schon sehr gespannt.

Interessante Links: Prater Wien | Prater Wien | 

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Kommentare: 1
  • #1

    Gabi (Sonntag, 06 Oktober 2019 05:48)

    Ein stimmungsvoller Bericht vom Prater. Ich glaube ich war noch nie dort - jetzt wäre die richtige Jahreszeit für mich, wenn nicht so viele Menschen unterwegs sind. Grüße Gabi